Spuren


Dezember, 2023

Du läufst an einem kleinen Bach entlang. Der Boden ist bedeckt von braunem Matsch, kleinen Steinen und dünnen Zweigen. Kurz zuvor hat es geregnet, bis sich jetzt die graue Wolkendecke langsam öffnet und sich erste Sonnenstrahlen den Weg in dein lächelndes Gesicht bahnen. Du atmest die frische Regenluft tief ein und spürst den weichen, rutschigen Grund unter deinen Füßen. Bei jedem Schritt bist du vorsichtig, um nicht auszurutschen. Der feuchte Schlamm saugt jedes Mal deine Füße leicht an, als würde der Boden wollen, dass du ihn ein kleines bisschen länger berührst. Die Verbundenheit zu der Erde spürst. Nun geht es leicht bergab und um eine sanfte Kurve herum. Das grüne Gebüsch säumt deinen Weg auf der rechten Seite und gibt dir Sicherheit. Du lächelst den Bach zu deiner Linken an, hörst sein lautes Plätschern und Raunen, dass alle anderen Geräusche übertönt. Es scheint nur Dich, den Bach und deine Beine zu geben, die dich den schmalen Pfad entlang tragen. Das satte Grün des Waldes um dich herum erfüllt deine Augen. Du fühlst dich geborgen und lebendig.   Diesen Weg hast du bewusst gewählt, weil er schöner als die kahle Straße ist. Dafür nimmst du den Schmutz an deinen weißen Schuhen in Kauf und musst darüber schmunzeln. Denn Schuhe sagen viel über ihren Besitzer aus. Deine Schuhe werden solange von diesem Tag erzählen, bis ein neuer eindrucksvoller Tag seine Spuren hinterlässt oder du beschließt, alle zu entfernen, um Platz für neue zu machen. Denn sie werden niemals wieder so weiß sein, wie vor dem ersten Tragen. 

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